Wissenschaft & Tradition 2017-05-18T21:04:40+00:00

Darkretreats in alten Kulturen und spirituelle Traditionen

Dunkelretreat in Tao

In der Taoismus-Tradition wird die Dunkelraumtechnik seit alters her in Höhlen durchgeführt. Diese Technik ist eine Methode aus dem Repertoire der Meditationstechniken. Der Meditierende soll in der Dunkelheit sein wahres Selbst erkennen und sich mit dem Göttlichen vereinen. In der Finsternis und der Isolation soll der Seele der Pfad zur universellen Energie und Erleuchtung gewiesen werden.

 

Vollkommene DunkelheitBuddhismus und Darkretreat

In der Himalaya-Tradition ist die Dunkelraumtechnik eine Therapie, die nur unter der Führung eines erfahrenen Lehrmeisters durchgeführt wird. Mit Hilfe dieser Technik kann der Meditierende “Die große Vollkommenheit” erlangen, den Regenbogenkörper, der im tibetanischen Buddhismus und im tibetischen Bön als höchste Form der Erleuchtung gepriesen wird. Der Regenbogenkörper wird nicht zu Lebzeiten sichtbar, sondern entfaltet sich erst zum Zeitpunkt des Todes. In der tibetanischen Tradition erfordert das Darkness Retreat eine lange Vorbereitungszeit während des irdischen Daseins, wobei es nur erfahrenen Praktikern gelingt, auf der Schwelle zum Tod den Regenbogenkörper anzunehmen.

 

Lakota

Bei den amerikanischen Lakota-Indianern, den Angehörigen des großen Stammes des Sioux, ist das Darkness Retreat Bestandteil der Yuwipi-Medizin. Als Yuwipi werden kleine Steinchen bezeichnet, die auf Ameisenhaufen zu finden sind. Bei den Lakota gelten diese kleinen Kieselsteine als heilig und energetisch. Derjenige, der diese Steinchen findet, ist der Yuwipi, der „Herausfinder“. Diese Etymologie beschreibt damit auf poetische Weise, den tiefen Sinn der Dunkelraumtechnik. Der Eintritt in die Dunkel-Welt ist Teil der Yuwipi-Zeremonie, die mit einem Heil-Ritual vergleichbar ist und lange Zeit als mysteriöse Praktik galt, die nur wenigen Eingeweihten bekannt war. Wenn ein Mensch oder ein Gegenstand verschwunden ist, dann wird der Medizinmann oder „Finde-Stein-Träumer“ aufgesucht.

Auch bei Krankheiten und psychischen Leiden suchen die Menschen ihren Yuwipi-Heiler auf, damit er der Ursache der Krankheit auf den Grund gehen kann. An der Zeremonie kann jeder teilnehmen, der nach der Lösung eines Problems sucht oder von einem physischen oder psychischen Leiden genesen will. Das Problem wird eingangs bei einer Pfeife mit dem Yuwipi besprochen. Einige Teilnehmer suchen zuvor eine Schwitzhütte auf um Körper und Geist zu reinigen. Anschließend wird der Raum, in dem das Ritual stattfindet, mit Salbeirauch gereinigt, leer geräumt und abgedunkelt. Während des Rituals trommeln die Teilnehmer, damit der Yuwipi-Heiler Energie zur Kontaktaufnahme mit den Geistern aufnehmen und diese um Rat fragen kann. Mitunter offenbaren sich die Geistwesen den Hilfesuchenden durch Lichtblitze oder durch Rauschen.

 

Griechische Antike und der Dunkelraum

Im antiken Griechenland suchten Menschen Grotten und Höhlen auf um dort Erleuchtung zu finden oder um in Kontakt mit den Göttern zu treten. In den Schriften von Pythagoras und Plato wird die Erleuchtung in der Dunkelheit beschrieben, die vom inneren oder „Dritten Auge“ ausgeht. Viele antike Mysterienschulen haben hier den Hauptsitz der Seele vermutet, der durch Isolation und Dunkelheit wahrgenommen werden kann.

 

Darkretreat in der Ägyptische Antike

maske-darkretreatIm alten Ägypten wurde der Hauptsitz der Seele als das „Auge des Horus“ bezeichnet, das in der mystischen Welt der alten Ägypter eine große spirituelle Relevanz hatte. Laut der ägyptischen Mythologie wurde das göttliche Auge zerstört. Bei einem Streit zwischen Horus und Seth, dem Gott der Finsternis, zersprang ein Auge des Horus in sechs Teile, das von Thoth, dem Gott der Magie und der Heilkunst, wieder zusammengefügt und geheilt wurde. Horus nahm das geheilte Auge aber nicht an, sondern opferte es seinem Vater, dem Totengott Osiris. Mit dem dritten Auge erwachte in Osiris ein neues Bewusstsein, mit dem er Licht in die Unterwelt bringen konnte. Aus diesem Mythos heraus entstand der Glaube vom „Auge des Horus“, dem eine Hieroglyphe gewidmet wurde. Das „Horusauge“ hatte auch eine große Bedeutung in der Heilkunde. Ihm wurden sechs Sinneswahrnehmungen zugeordnet, wie Geruch, Gesicht, Gedanken, Gehör, Geschmack und Gefühl. Ein Teil des Horusauges wurde gleichgesetzt mit der feinstofflichen Region, dem sechsten Sinn, der auch eine Entsprechung mit dem sechsten Chakra hat.

 

England

In Glastonbury steht eine von Sagen umwobenen Kirche, die zu den geheimnisvollsten Regionen Groß Britanniens zählt. Darunter wurden Gewölbe entdeckt, die aus vorchristlicher Zeit stammen. Das Glastonbury Tor, das im Keltischen auch Hügel oder Berg bedeutet, führt in eine mystische Kultstätte, die zum Grab des sagenhaften Königs Arthus oder zur mytischen Insel Avalon geführt haben soll. Es war ein Ort des Übergangs von der stofflichen in die Jenseitswelt. Unter dem Steinmonument von Stonehenge wurden ähnliche Gewölbe gefunden. Nach der keltischen Überlieferung wurden dort Fruchtbarkeits- und Initiationsriten abgehalten. Es wird angenommen, dass Priester in diesen Gewölben einst Dunkelraumtechniken praktiziert haben, um Verbindung mit den Göttern und magischen Naturwesen aufzunehmen.

 

Neuzeit und der Dunkelraum

In einigen Regionen der Erde wie in Japan, Tibet, Indien oder in schamanistisch geprägten Gemeinschaften haben die Praktiken der „Dunkel-Welt-Therapie“ überlebt und werden heute noch ausgeübt. Im europäischen Raum geriet die Tradition der Darkness Retreats im Mittelalter in Vergessenheit. Erst im Zuge der Aufklärung rückte das „Dritte Auge“ wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Im 18. Jahrhundert vermutete der französische Philosoph René Descartes die Zirbeldrüse als den „Hauptsitz der Seele”. In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die alten spirituellen Traditionen um die Darkness Retreats zum Stimulieren der Zirbeldrüse sowohl im medizinischen als auch spirituellen Bereich wiederentdeckt. In der esoterischen Welt wurde das Potential der Zirbeldrüse als Tor zwischen der physischen und geistigen Welt erkannt. Zur Stimulation der Drüse wurden alte Praktiken wie Yoga, Meditation und Dunkelraumtechniken wiederbelebt.